© Berner Zeitung; 17.03.2007
Kultur ringt um Aufmerksamkeit
Wie steht es um die Kultur in den Medien? Diese Frage beschäftigte Expertinnen und Experten an einer Tagung in Solothurn.
«Die knappste aller Ressourcen ist die Aufmerksamkeit. Um sie buhlen alle.» Dies stellte Norbert Bolz klar, Professor für Medienwissenschaft aus Berlin. Er sprach an einer Tagung in Solothurn zum Thema «Kultur ohne Medien - Medien ohne Kultur». Eingeladen hatte das Forum Kultur und Ökonomie, das 2001 von verschiedenen Schweizer Kulturstiftungen gegründet wurde und jedes Jahr eine Tagung zu einem Thema der schweizerischen Kulturpolitik organisiert.
Nun, so Bolz, suchten die Medien neue Formen, um diese Aufmerksamkeit zu gewinnen. «Kritische Publizität ist zerfallen in den Postjournalismus der Profis und den Parajournalismus der Laien», lautete seine These. Nicht Objektivität sei gefragt, sondern Authentizität. Internetplattformen wie Youtube zeigten, dass die Öffentlichkeit genutzt werde, um aus sich einen Markenartikel zu machen. Für Bolz kein Anlass für Kulturpessimismus. Es sei eine gute Schule fürs Leben, um zu wissen, wer man sei, was man wolle.
Während der Medienwissenschaftler global über die Medien sprach, fokussierten andere Geladene auf den Kulturjournalismus. Hintergrund des Tagungsthema war die Befürchtung des Forums, dass der kritische Kulturjournalismus in den Zeitungen am Verschwinden sei und, bis zum Extremfall, Kulturseiten aufgelöst würden. Konrad Tobler, freier Kunstkritiker und ehemaliger Kulturchef dieser Zeitung, rief in seinem Vortrag ins Bewusstsein, dass «Kulturjournalismus mit Vermittlung und Beurteilung, also mit Kritik» zu tun habe. Er bedauerte, dass mit steigendem Spardruck die Analyse der Vorschau Platz mache und ortete die «Verluderung eines Metiers».
«Geld regiert» hiess passend das Motto des ersten Tages. Raphaëlle Aellig, Produzentin einer Literatursendung des Westschweizer Fernsehens, verglich die Kultur mit der Comicfigur Calimero. Diese sage immer: «Keiner liebt mich.» Die Kultur profitiere heutzutage von der «Saure-Gurken-Zeit» und immer dann, wenn Celebrities involviert seien. Kurt W.Zimmermann, Berater und Kolumnist, verstand in einer Polemik die ganze Aufregung nicht und attestierte stattdessen der Schweizer Kulturszene und den Medien «Filz und Gesinnungskorruption»: «Sie wollen die Gesellschaft permanent überzeugen, dass Kultur ihr zentrales Anliegen ist.»
Hoffnung verströmte Karl Karst, Programmchef des nordrhein-westfälischen Kulturradios WDR3. Mittels Kulturpartnerschaften mit Institutionen hat er den Sender populär gemacht und so vor dem Niedergang gerettet.
Er nahm das Thema des gestrigen Tages vorweg: «Hoffnung keimt.» Solche verströmte Peter Buri, Chefredaktor der Aargauer Zeitung: «Wachstumspotenzial gibt es bei Kultur-, Special Interest- und Softthemen.» Deswegen habe er in einer Neuausrichtung des Blattes den Kulturteil ausgebaut.
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